VRR, VRS, NRW-Tarif – was für ne Scheiße

VRR, VRS, NRW-Tarif

Was für eine Scheiße

ÖPNV ist nicht meine Welt

Ich habe es normalerweise nicht mit dem ÖPNV. Dank meines Autos bin ich individuell mobil und komme rasch und problemlos überall hin, wo ich hin will. Aber von Zeit zu Zeit muss ich dann doch mal den ÖPNV bemühen. Meist, wenn denn der Wagen mal in der Werkstatt ist. Oder, weil ich einfach nicht fahren kann. Letzteres ist aktuell der Fall, nachdem ich mir bei einem Arbeitsunfall mein linkes Handgelenk langwierig verletzt habe.

Arbeitsunfall

Autofahren geht damit nur im unmittelbaren Nahbereich, also hier im Ort und selbst das nur mit Einschränkungen. Denn je länger ich die verletzte Hand bewege, was insbesondere zum Lenken eines Schaltwagens ja nun mal zwingend erforderlich ist, umso heftiger werden die Schmerzen, die dann die Beweglichkeit erheblich einschränken.

Gut zu Fuß

Zu Beginn der Verletzung war das kein Problem. Die Behandlung erfolgte im örtlichen Krankenhaus. Da konnte ich zu Fuß hingehen. Leider war die Behandlung dort kein Erfolg. Der gebrochene Knochen im Handgelenk wuchs falsch zusammen und verursacht nun eben die großen Probleme, insbesondere beim Autofahren.

Bergmannsheil Bochum

Auf Geheiß der Berufsgenossenschaft, deren Geld dies ja als Arbeitsunfall kostet, wurde die Behandlung im lokalen Krankenhaus abgebrochen und an das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum „Bergmannsheil“ in Bochum (1) übertragen. Und genau hier beginnt das ÖPNV-Abenteuer, da die Autofahrt dorthin ja nun mal eben nicht funktioniert.

Die Gute Alte Zeit

Zu den Zeiten, vor rund 20 Jahren, als ich noch regelmäßig mit Bus und Bahn zur Arbeit gefahren bin, galt in Radevormwald noch der VRR-Tarif (2) – parallel zum VRS-Tarif (3), dem Radevormwald geografisch eigentlich angehört. Damals wäre das noch einfach gewesen. Man wäre in den Bus gestiegen, hätte ein Ticket der Preisstufe „C“ gelöst und wäre einfach über Wuppertal nach Bochum gefahren.

Neuer, nicht besser

Aber heute sieht das leider anders aus. Radevormwald gehört nun vollständig zum VRS – obwohl die meisten Fahrten definitiv in den VRR gehen. Der VRR ist eingeschränkt mit Übergangstarifen zu erreichen. Das Ruhrgebiet und damit auch Bochum ist für die Übergangstarife allerdings zu weit entfernt, so dass hier der NRW-Tarif (4) gilt.

Busfahrer im Tarifdschungel

Das wäre an sich kein Problem, wenn man denn die einzelnen Tarife beim Busfahrer lösen könnte. Kann man aber nicht. Was vor allem daran liegt, dass ein und dieselbe Buslinie von verschiedenen Verkehrsunternehmen bedient wird. So wird zum Beispiel die Linie 671, welche über Remscheid-Lennep Bhf. die schnellste Anbindung an den Schienenverkehr darstellt, zum einem von der OVAG (5) aus dem Oberbergischen Kreis und damit aus dem VRS-Gebiet gefahren und auch von den Stadtwerken Remscheid (6) aus eben Remscheid und damit dem VRR-Gebiet.

Bus ist nicht gleich Bus

Daraus ergibt sich folgendes Problem: Das Ticket-System (Kasse) der OVAG-Busse (VRS) kann problemlos auch Übergangstickets in den VRR ausdrucken und die Fahrer sind mit beiden Tarifen und den Übergangstarifen dazwischen vertraut. Das Ticket-System (Kasse) der SR-Busse (VRR) kann – zumindest laut den zwei Fahrern mit denen ich zuletzt zu tun hatte – keine Übergangstickets ausdrucken. Zudem fehlen den Fahrer elementare Kenntnisse des VRS-Tarifs und auch der Übergangstarife.

Schöner Tag

Die ersten Fahrten nach Bochum war das noch kein Problem. Ich musste nach 09:00 Uhr abfahren und hatte die Rückfahrt am gleichen Tag. Eine Internet-Recherche vorab ergab, dass das NRW-Tarif-Ticket Radevormwald – Bochum (bei Fahrt über Hagen Hbf.) 15,20 € kostet. Macht hin und zurück also 30,40 €. Das im Vorverkauf z.B. bei PBS (7) in Radevormwald erhältliche Ticket „Schöner Tag NRW Single“ (8), mit dem man ab 09:00 Uhr den ganzen Tag lang beliebig durch NRW fahren kann, kostet 29,50 €. Das ist also einfacher und obendrein noch ein wenig billiger.

Der Wahnsinn beginnt

Letzten Donnerstag allerdings musste ich früher fahren und die Rückfahrt war, eines stationären Aufenthalts in Bochum wegen, auch nicht am gleichen Tag. Die zeitlich günstigste Verbindung für die Hinfahrt führte über Remscheid-Lennep (S7) und Hagen Hbf. Also brauchte es das NRW-Ticket für 15,20 €. So weit, so schön.

Die SR und der NRW-Tarif

Also bin ich morgens um kurz nach 06:00 Uhr in die Linie 671 nach Remscheid-Lennep Bhf. und habe ein NRW-Ticket für 15,20 € verlangt. Dummerweise war der Bus von den SR und nicht von der OVAG. Die erste Aussage des Fahrers war, ein NRW-Ticket könne er mir grundsätzlich nicht verkaufen. Nach einer kurzen Diskussion warf er dann mal einen Blick in sein schlaues Büchlein und schlug als alternative Lösung vor, ich solle ein VRS-Übergangsticket nach Remscheid-Lennep für 2,80 € lösen, an der Haltestelle „Remscheid-Wassermühle“, wenn der Bus geografisch das VRS-Gebiet verlassen habe und sich im reinen VRR-Gebiet befände, noch mal zu ihm nach vorne kommen und dann könne er mir ein VRR-Ticket von Remscheid nach Bochum für 5,50 € verkaufen.

Das kann nicht passen

Ich weiß nicht viel über den VRR. Aber 5,70 € für ein Ticket von Remscheid nach Bochum, wenn ein NRW-Tarif-Ticket von nur einer Haltestelle vorher 15,20 € kostet, wollte ich ihm dann doch nicht glauben.

Schlaues Buch

Eine weitere Konsultation seines schlauen Buches später war sein neuer Vorschlag, ich könne nun doch ein NRW-Ticket bei ihm im Bus lösen, aber nicht, solange der Bus am Busbahnhof Radevormwald stehe, sondern eben erst, wenn er an der Haltestelle Remscheid-Wassermühle sei. Bis dahin könne ich einfach ohne Ticket mitfahren. Interessanter Vorschlag. Das NRW-Ticket ab Remscheid-Wassermühle würde allerdings nicht 15,20 sondern 21,80 € kosten.

Noch ganz andere Preise

Hier hatte ich dann die Nase voll von der sinnlosen Diskussion, habe für 2,80 € ein Ticket nach Remscheid-Lennep Bhf. gelöst und dort den DB-Ticketautomaten bemüht. Der spuckte dann wieder einen ganz anderen Preis aus: 11,80 € für ein VRR-Ticket der Preisstufe „C“ von Remscheid-Lennep Bhf. nach Bochum. Zusammen mit den 2,80 € von Radevormwald nach Remscheid-Lennep Bhf. also 60 Cent billiger, als mit einem NRW-Tarif-Ticket direkt ab Radevormwald, welches man dort allerdings nur lösen kann, wenn man einen Bus vom richtigen Unternehmen erwischt.

Was für eine Scheiße

Was bitte ist denn das für eine Scheiße? Und vor allem wer bitte hat sich diese Hirnwichse ausgedacht? Wer diesen ganzen Mist nicht mehrere Semester studiert hat, wird ja quasi dazu genötigt, mit dem falschen Ticket zu fahren, weil er sich auf das Verlassen muss, was ihm der Busfahrer als korrektes Ticket verkauft.

Der Kunde ist der Dumme

Kommt er damit dann aber in eine Kontrolle, glaubt ihm keine Sau, dass er das korrekte Ticket verlangt aber das Falsche bekommen hat. Das heißt es nur „Schwarzfahrer“ (9) und 60,- € Strafe bitte.

Links

(1) – http://www.bergmannsheil.de
(2) – http://www.vrr.de
(3) – https://www.vrsinfo.de
(4) – http://busse-und-bahnen.nrw.de/tickets-tarife/hintergrund-nrw-tarif/der-nrw-tarif-im-ueberblick/
(5) – http://www.ovaginfo.de/
(6) – http://www.stadtwerke-remscheid.de/
(7) – http://www.pbs-rade.de/
(8) – https://www.bahn.de/p/view/angebot/regio/regionale-tickets/nrw/schoener-tag-ticket.shtml
(9) – http://busse-und-bahnen.nrw.de/news-downloads/aktuelles/detail/2015-06-18-60-statt-40-euro-schwarzfahren-ab-1-august-teurer/

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