Entgegen der Meinung der meisten auswärtigen, aber vieler Einheimischer hat der Name „Bergisches Land“ nichts mit dem Umstand zu tun, dass diese Region hügelig-bergig ist. Der Name leitet sich historisch vom Herzogtum Berg ab. Ob dieses das „Berg“ aufgrund der Geländetopografie im Namen trägt, ist zwar ggf. naheliegend aber letztlich nicht mehr nachvollziehbar.

Historische Grenzen

Historisch betrachtet entwickelte sich das Bergische Land aus dem Herzogtum Berg. Die erste Erwähnung des Begriffes „Bergisches Land“ findet sich nach aktuellem Stand in einer Schuldverschreibungsurkunde des bergischen Grafen vom 06. September 1363, in lateinischer Schreibweise des Namens als „terre Montensis“ – „Bergisches Land“. In noch älteren Urkunden hingegen ist die Schreibweise abweichend „terra de Monte“ – „Land von Berg“.

Historisch betrachtet, bildeten drei Flüsse die natürlichen Grenzen des Bergischen Landes, der Rhein, die Ruhr und die Sieg. Damit gehörten historisch Düsseldorf, Tele von Duisburg, Mülheim an der Ruhr, die südlichen Teile des heutigen Oberhausens und Essen und Mülheim bei Köln zum Bergischen Land, sowie auf der anderen Rheinseite Wesseling, Rodenkirchen und Langel.

Im heutigen Oberbergischen Kreis gehörten indes die Orte Marienheide, Wiehl, Nümbrecht sowie die Kreisstadt Gummersbach nicht zum ursprünglichen Bergischen Land und kamen erst zu Zeiten Napoleons hinzu.

Aktuelle Grenzen

Die Kernregion des aktuellen Bergischen Landes, weitgehend definiert durch das Zugehörigkeitsgefühl der Menschen dort, bilden heute die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid (Bergisches Städtedreieck), der nördliche Oberbergische sowie der Rheinisch-Bergische Kreis. Auch der restliche, also südlich von Wipperfürth gelegene, oberbergische Kreis rechnet sich heute mit zum Bergischen Land, wenngleich diesen immer mal wieder vorgehalten wird, eigentlich nicht so recht dazu zu gehören.

Detaillierte Informationen zum Bergischen Land finden sich im entsprechenden Wiki-Artikel.

Landschaft

Landschaftlich stellt das Bergische Land eine recht abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft dar, geprägt von zumeist sanften Hügeln, und darauf liegenden Wiesen und Wäldern. Diese Hügel, die vor allem im Oberbergischen Teil zwischen 150 und knapp 510 Meter Höhe über NN erreichen sind teilweise von recht tiefen Tälern eingeschnitten und vermitteln durch mitunter recht steile Hänge stellenweise beinahe Hochgebirgsgefühl.

In einzelnen Städten des Oberbergischen liegen zwischen einzelnen Ortsteilen gerne mal rund 150 Höhenmeter. Entsprechend sind viele Orten von teils recht steilen Straßen geprägt. Wer hier wandert oder radelt, kriegt Muskeln.

Bislang waren die Ausblicke von den Hügeln von unregelmäßig geformten Wiesen, Weiden und Feldern zwischen meist dichten Wäldern geprägt. Aber durch die immer trockeneren und heißeren Sommer und den Borkenkäfer, präsentieren sich viele dieser Wälder inzwischen mit deutlichen Löchern. Während die Laubbäume, hauptsächlich Eichen, Buchen, Birken und Linden, die Trockenheit und den Borkenkäfer noch halbwegs gut weggesteckt und überstanden haben, sind die teilweise wie Inseln mitten in diese Wälder gepflanzten, höheren Nadelbäume, Kiefern und Fichten, fast ausnahmslos braun, tot und vielfach auch schon gefällt, womit sich die Wälder aktuell eher als ein Flickenteppich präsentieren.

Kein schöner Anblick, wenn dort, wo man noch vor zwei Jahren beim Wandern den Wald vor lauter Bäumen nicht sah, inzwischen riesige Lichtungen sind, auf denen nur noch ein Meer abgesägter Baumstümpfe entfernt an den Wald erinnern.

Wünschenswert wäre, dass diese Lücken nun mit widerstandfähigeren Laubbäumen aufgefüllt werden. Aber das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. Die Zeiten, wo die Waldbauern noch mit Sinn und Verstand gefällt, vorrangig langsam wachsende Laubbäume gepflanzt, gehegt und gepflegt und als solides Kapital an die nächste Generation weitergegeben haben, sind leider auch hier lange vorbei.

Heute zählt nur noch schnelles Wachstum. Man will das, was man pflanzt auch noch selbst fällen, am besten auch noch mehrfach. Und so werden wohl wieder Fichten und Kiefern die Lücken besetzen und mit fortschreitendem Klimawandel immer öfter sommers tot im Wald liegen.

Am Ende wird es wohl so enden, dass beim sommerlichen Wandern Helmpflicht herrschen wird, um zumindest nicht mit fallendem Astwerk erschlagen zu werden. Sofern man, denn überhaupt noch wird wandern gehen können und nicht alle Wege gesperrt sind, weil die schnell wachsenden Billigs-Bäume mal wieder reihenweise umfallen.


Wetter und Klima

Der meist von Westen wehende und vom Atlantik feuchte Luft mitbringende Wind wird auf seinem Weg nach Osten von den Erhebungen des Bergischen Landes erstmal ernsthaft gestaut, was in recht viel Regen resultiert. Weiter ostwärts wird er dann von den Höhenzügen des Sauerlandes erneut und deutlich stärker gestaut, was wiederum oft und viel Regen wie auch Gewitter zur Folge hat, welche dann größtenteils über dem Bergischen Land niedergehen.

Wer hier lebt, kommt damit klar. Der Bergische Mensch hat kein Problem damit wenigstens die Hälfte des Jahres im Regen zu stehen. Sprichwörtlich kommen hier die Kinder eh mit einem Regenschirm in der Hand auf die Welt – dank des hier im Bergischen, genauer gesagt in Solingen, erfundenen Teleskop-Regenschirms „Knirps“, durchaus auch bildlich vorstellbar.

Anders sieht das allerdings bei Besuchern und Touristen aus. Denen fällt hier regelmäßig der Besuch bzw. Urlaub regelrecht ins Wasser.

Allerdings hält in jüngerer Zeit auch hier der Klimawandel Einzug. Während früher die Gefahr von Starkregenfällen und Spätfrost, sowie schneereichen und kalten Wintern insbesondere der Landwirtschaft der Region viel Können abverlangt hat, sind es inzwischen immer öfter lange und sehr heiße Sommer mit teils wochenlanger Trockenheit und hoher Gefahr von Wald- und Graslandbränden.

Brachten noch in den 1980ern die Winter gerne mal eine Meter Schnee, der wochenlang liegen bliebt, gab es in jüngerer Vergangenheit schon Winter, die von kurzen Schneeschauern mit Schnee im Zentimeterbereich, der zumeist nach 5 Tagen wieder weg war, abgesehen, schon Winter, die fast durchgängig grün blieben. Weiße Weihnachten etwa sind von der fast jährlichen Regelmäßigkeit noch in den 1980er Jahren inzwischen zu einem Phänomen geworden, was nur noch alle paar Jahre und mit immer längeren Abständen auftritt.

Entsprechend mangelt es den Wintern auch immer mehr an längeren Frösten. Froren in den 1970ern die Seen noch fast jährlich so dick und lange zu, dass man darauf Schlittschuh laufen konnte, passiert das aktuell nur noch 1–2-mal pro Jahrzehnt.

Flüsse

Wie unter den historischen Grenzen bereits erwähnt, sind die großen Grenzflüsse des Bergischen Landes die Ruhr im Norden, der Rhein im Westen und die Sieg im Süden. Die beiden Hauptflüsse innerhalb des Bergischen Landes sind die Agger im Süden, welche in die Sieg mündet und die vergleichsweise zentral verlaufende Wupper, welche direkt in den Rhein mündet.

Neben diesen Hauptflüssen gibt es noch zahlreiche weitere Flüsse, die in diese Hauptflüsse münden und unzählige Bäche, vor allem in den kleineren Tälern, hier häufig auch „Siepen“ genannt.

Talsperren

Der (frühere) Regenreichtum, der viele Bäche und Flüsse stets viel Wasser führen ließ, führte an vielen Gewässern des Bergischen Landes zum Bau von Talsperren und Stauseen. Unmittelbar dem Bergischen Land zuzurechnen sind 21 Talsperren und Stauseen – das macht das Bergische Land zu einer Region mit einer der weltweit höchsten Talsperrendichte. Die Talsperren und Stauseen im Einzelnen sind:

  • Aggertalsperre
  • Bevertalsperre
  • Biebersteiner Stausee
  • Beyenburger Stausee
  • Brucher Talsperre
  • Diepentaler Talsperre
  • Ennepetalsperre
  • Eschbachtalsperre
  • Genkeltalsperre
  • Große Dhünntalsperre
  • Heilenbecke Talsperre
  • Herbringhauser Talsperre
  • Kerspetalsperre
  • Lingesetalsperre
  • Neyetalsperre
  • Panzertalsperre
  • Ronsdorfer Talsperre
  • Schevelinger Talsperre
  • Sengbachtalsperre
  • Uelfebad (keine Talsperre im eigentlichen Sinne)
  • Wahnbachtalsperre
  • Wiehltalsperre
  • Wuppertalsperre

Kultur

Wie jede andere Region, hat auch das Bergische Land seine ganz eigene Kultur. Leider geht diese immer mehr verloren und vielfach ist es inzwischen leider, wie im neuen Bergischen Heimatlied.

Bergisches Heimatlied

Das Bergische Land hat seine eigene Hymne, das Bergische Heimatlied. Gedichtet und melodisch komponiert 1892 werden einige der 6 Strophen heute zumeist weggelassen, da sie textlich nicht mehr in die Zeit passen. Neben dem originalen Text existiert noch ein weiterer, zeitgemäßer Text bislang unbekannten Ursprungs, das Neue Bergische Heimatlied.

Nähere Informationen zu den beiden Liedern, sowie die Texte siehe Bergisches Heimatlied.

Burgen und Schlösser

Schon mindestens seit dem Mittelalter bestehend, ist die Bergische Region reich an Schlössern und Burgen, von denen viele bis heute erhalten sind, siehe nachfolgende Liste:

Kirchen

Das Bergische Land war früher sehr gläubig, was sich in zahlreichen Kirchen in fast allen Orten widerspiegelt. Allein in meiner Heimatstadt Radevormwald ist die typische Skyline, die heute auch das Logo der Stadt bildet, von vier weithin sichtbaren Kirchen geprägt. Insgesamt existieren in dieser Kleinstadt fast dreimal so viele.

Neben diesen, nennen wir sie mal, alltäglichen Kirchen, von denen viele in ihrer aktuellen Form erst nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden, weil die Originalbauten im Krieg Bomben zum Opfer fielen, existieren allerdings auch ein paar besonders herausragende, sehr alte Kirchenbauten, welche teils vom Krieg verschont blieben:

Museen

Im Mittelalter noch bäuerlich geprägt, war die Region eingangs des 18. Jahrhunderts Schauplatz der Frühindustrialisierung, zunächst mit zahlreichen, von der reichlich vorhandenen Wasserkraft angetriebenen, Hammerwerken und Schleiferkotten, sowie nach Erfindung der Dampfmaschine auch zahlreichen Textilfabriken. Von dieser Geschichte zeugen heute zahlreiche Museen in der Region:

Sonstige Sehenswürdigkeiten

Darüber hinaus hat die Region noch viele andere Sehenswürdigkeiten zu bieten, deren vollständige Aufzählung hier völlig den Rahmen sprengen würde. Daher seien nachfolgend nur die wichtigsten genannt:

Quellen

  • Lokales Wissen
  • Wikipedia
  • Webseite LWL
  • Webseite LVR
  • Webseite "Das Bergische"