So langsam braucht mein Wohnumfeld mal wieder ein Update. Nicht, dass ich mir ob der wirtschaftlichen Situation groß was leisten könnte. Die neue Spülmaschine – und die soll nun wirklich nicht Edel werden, zumal die letzte, teure Bauknecht gerade mal vier Jahre bis zum Totalschaden hielt – wird immer wieder aufgeschoben. Zuletzt ging das Geld dann für den TÜV vom Auto drauf, nebst einem neuen Endtopf, ohne des es den TÜV nicht gab. Und als nächstes braucht es neue Winterreifen, also gibt’s die Spülmaschine vielleicht zu Ostern.

Kleinigkeiten

Aber trotzdem, ein paar Kleinigkeiten müssen es für die Bude mal sein. Meine Billys sind mit 15 Jahren dann doch so langsam mal in die Jahre gekommen und sollen so langsam mal durchs Modulare Kallax ersetzt werden. Und die Küchenschränke nähern sich ihrem 20-jährigen. Kurzum, wenn auch in kleinen Schritten, braucht es hier mal was Neues. Also auf zu IKEA, den es mit Wuppertal ja inzwischen halbwegs um die Ecke hat. Die Billys musste ich mir seinerzeit noch aus Köln holen.

Auf zu IKEA

IKEA ist überall gleich. Kennt man einen, kennt man jeden. Nun, was die Möbelausstellung und die ganze Funktionalität rund um die Möbel, deren Verkauf und Ausgabe angeht, mag das stimmen. Beim Restaurant allerdings stimmt das nicht. Letzten Herbst noch mal im IKEA in Köln gewesen, war der Restaurantbesuch ein absolutes Highlight. Jetzt in Wuppertal allerdings verleidet einem der Restaurantbesuch das ganze IKEA-Erlebnis nachhaltig. Das inzwischen zweite Mal an diesem Standort. Aber der Reihe nach.

Schwedenrestaurant

Um 10 Uhr macht der Laden auf, um 11 Uhr war ich hier. Nach dem sehr informativen Rundgang durchs OG endet der Weg um fünf nach Zwölf im Schwedenrestaurant. Beste Mittagszeit sollte man meinen. Tablett geschnappt und auf durch Restaurant. Nach dem Salat, der mich heute allein optisch nicht wirklich anspricht, lockt ein Warmhaltetopf mit einer Möhren-Ingwer-Suppe für nen Euro. OK. Warum nicht.

„Spachtel“masse

An der folgenden, warmen Theke fällt die Wahl aufs Hähnchenschnitzel mit Sauce. Das Gemüse nehme ich gerne dazu, aber statt dem Kartoffelpüree, optische Konsistenz „Wandspachtel“ fällt die Wahl auf Pommes. Ein Regal weiter präsentieren sich die Desserts. Die Wahl fällt auf ein Stück Erdbeerkuchen. Noch nen leeres Glas fürs Getränk und eine leere Tasse für den Kaffee zum Kuchen geschnappt und auf zur Kasse.

Einfinger-Suchsystem

Inzwischen hat es ein wenig Betrieb hier. An Kassen ist trotzdem nur eine auf. Und obwohl bei dem Kassensystem die ganze Kunst darin besteht, einzelne Knöpfe beschriftet mit dem zu drücken, was da so auf dem Tablett sein kann, hat die Dame dahinter doch arge Probleme damit. Es scheint, sie ist die einzige, der man nicht gesagt hat, was man hier heute so im Angebot hat. Resultat: Kassieren im Einfinger-Suchsystem mit Nachfragen an den Kunden, was genau das denn da so eigentlich auf dem Teller ist. Am Ende braucht es mit vier Kunden vor, knapp 6 Minuten, bis man seine 16 Euro losgeworden ist.

Schaumparty

Auf zum Getränkespender. Schließlich möchte man zum Essen ja auch was trinken. Oder besser gesagt, zum Schaumspender. Denn außer jeder Menge Schaum kommt da Nix raus. Acht Mal muss man das Glas unter den Spender halten und zwischenzeitlich jeweils eine gefühlte Minute warten, dass der Schaum sich gelegt hat, bis man eine halbwegs trinkbare Menge im Glas hat. Aber schließlich und endlich kann man sich dann doch setzen.

Bofrost – unaufgetaut

Endlich am Tisch angekommen und mit dem Essen begonnen, hat alles auf dem Teller inzwischen Raumtemperatur. Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass sie inzwischen kalt ist, aber die Möhren-Ingwer-Suppe schmeckt nach allem, außer nach Möhren oder Ingwer. Streng genommen beschreibt Spülmittel den Geschmack noch mit am Besten. Das Hähnchenschnitzel, das Gemüse und die Sauce schmecken wie bofrost – nur unaufgetaut. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich es mit Genuss esse. Es ist mehr ein, man würgt es sich rein, um satt zu werden. Die Pommes sehen optisch knusprig aus, aber haben dann doch die Konsistenz von feuchten Nudeln. Schmecken tun sie nach gar nichts.

Milch mit einem Spritzer Kaffee

Der Kuchen reißt das Ganze ein wenig raus. Fühlte er sich bei der Entnahme aus der Kühlung noch tiefgefroren an, hat auch er inzwischen Raumtemperatur und damit schmeckt er dann doch recht gut. Besser noch würde er mit einer Tasse Kaffee mit etwas Milch schmecken. Nur gibt’s da leider ein Problem:

Während Zucker und Süßstoff weiter in Portionstütchen zu bekommen sind, wird für die Milch zum Kaffee auf die Milch aus dem Cappuccino-Automaten verwiesen, welche man da kriegen soll, wenn man die Milchtaste ein wenig gedrückt hält. Drückt man die Taste 1 Sekunde, kriegt man gar nichts. Drückt man sie 1,5 Sekunden, quellen Milch und Kaffee in der Tasse über und man hat eine Tasse Milch mit einem Spritzer Kaffee statt eines Kaffees mit einem Spritzer Milch.

Kaffeetrinker

Der Umstand mit der Milch und der Umstand, dass scheint es weit mehr Menschen hier eine Tasse Kaffee mit etwas Milch trinken wollen, macht es den Menschen, die wirklich einen Cappuccino haben wollen das Leben schwer, denn regelmäßig sind, nicht zuletzt der beschissenen Dosierbarkeit wegen die Milchbehälter leer und deren Auffüllung zieht sich.

Milchmädchen

Diese Auffüllung darf nämlich eine junge Dame machen, die aber hauptsächlich auch die Tische wischen darf und somit nur wenig Zeit für die Automaten hat. Und während sie die erforderlichen Milchbehälter aus dem für jedermann zu öffnenden Schrank unter den Kaffeemaschinen heraus nehmen und auch ohne weiteres in die Maschinen einsetzen kann, braucht sie einen digitalen Schlüssel um das Setup der Maschine aufzurufen und der laufend über Milchmangel meckernden Maschine mitzuteilen, dass jetzt wieder Milch drin ist.

Topfdeckel

Diesen digitalen Schlüssel allerdings, kann man nicht bei sich tragen, weil den irgendjemand, wohl aus Verlustangst, mit Kabelbinder an den Griff eines Aluminiumdeckels eines 30cm Kochtopfes gekettet hat. Das führt zum Einen dazu, dass man den nicht ständig bei sich haben kann, sondern jedes Mal erst aus der Küche holen muss, es sei denn, man würde den Deckel im Style des Reishütchens eines Rikschafahrers auf dem Kopf tragen. Zum anderen führt das auch dazu, dass an dem Automaten übelste Verrenkungen erforderlich sind, um mit der Spitze des Schlüssels dahin zu kommen, wo man damit hin muss.

Aber das Verfahren ist vermutlich Welten billiger als beim Maschinenhersteller mal ein halbes Dutzend dieser Chipschlüssel zu ordern und Mitarbeiterinnen an ihren Arbeitsschlüsselbund zu machen. Entweder das oder man findet es einfach lustig, dem Kunden dieses Schauspiel zu bieten.

Feedback

Zu dem individuellen Restauranterlebnis bettelt IKEA förmlich um Feedback, welches man an einem einzigen, winzigen Terminal Typ 7 Zoll Tablet eintippen kann. Zu einzelnen Bewertungen folgen dann noch Fragen nach dem Warum mit einem Freitext-Eingabefeld, welches auszufüllen auf dem Minidisplay wirklich keinen Spaß macht, weshalb die Meisten ihr Feedback vorab abbrechen, weil sie sich nicht damit herumschlagen wollen.

Wer es tatsächlich alles eintippt, bekommt am Ende die Möglichkeit, seine E-Mailadresse einzugeben, um eine Antwort zu erhalten. Vier Besuche hier, vier Mal Feedback abgegeben, vier Mal meine E-Mailadresse angegeben. Ein Mal eine automatisierte Antwort des Wortlauts „Wir bearbeiten Ihr Feedback und melden uns wieder“ erhalten.

Also IKEA, seid doch bitte so ehrlich gleich dran zu schreiben, dass es Euch einen Scheißdreck interessiert, ob es dem Kunden hier gefallen hat oder nicht.

Fazit

Ich hab aus dem Rundgang meine Ideen bekommen und schon ein paar Kleinigkeiten direkt mitgenommen. Hat wie immer wunderbar funktioniert. Möbel und Accessoires verkaufen, das kann man bei IKEA.

Aber das Schwedensack-Restaurant hat mich heute zum letzten Mal gesehen. 200 Meter die Straße runter gibt’s nen Imbissstand, wo man gut und vor allem warm essen kann und wo es vor allem möglich ist, trotz Getränkeauswahl noch warmes Essen auf dem Teller zu haben und eine Tasse Kaffee mit einem Spritzer Milch zu bekommen, statt einen in kalter Milch ertränkten, schon zuvor nur lauwarmen Kaffee des Typs Bodensee.

Quellen

  • Persönlicher Besuch im IKEA Wuppertal

 

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