Ja, die Bevertalsperre hat aktuell Niedrigwasser. Bei weitem nicht so niedrig, wie auch schon. Aber so niedrig wie bislang noch nicht zuvor zu dieser Jahreszeit.

49% Füllstand

Der aktuelle Wasserstand der Bevertalsperre, Füllstand aktuell 49%Hochwasserportal Wupperverband, stellt sich normalerweise erst Mitte August bis Mitte September ein, aber eigentlich nicht schon Mitte-Ende Juni.

Die Gründe für den aktuellen Wassermangel in der Talsperre sind ein sehr schneearmer Winter 2024-2025 und überraschend trockenes Frühjahr 2025 – deutlich trockener als gewohnt. Beides zusammen eine unmittelbare Folge des sich wandelnden Klimas.

Kielboote müssen raus

Apropos Folgen. Die Folgen des niedrigen Wasserstandes treffen aktuell all jene, die normal große Segelboote (Kielboote) an der Bever liegen haben oder zumindest planen, die Bever mit solchen für mehr als nur einen Tagestörn zu besuchen. Wer ein Kielboot hier liegen hat, ist aktuell aufgerufen, dieses aus dem Wasser zu holen.

Grund dafür ist, dass die Steganlagen nicht beliebig weit abgesenkt werden können und die Boote am unteren Ende der möglichen Absenktiefe Grundberührung haben werden. Das kann zum einen die Boote beschädigen und zum anderen ist nicht absehbar, wie sich der Wasserstand bis Saisonende am Winteranfang entwickeln wird. Schlimmstenfalls müssten die Boote zum Saisonende mit einem Kran herausgehoben werden, was alles andere als billig ist.

Paddelboote können noch bleiben

Jollen können einstweilen noch im Wasser bleiben. Und auch Paddelboote können weiterhin im Wasser liegen bzw. ins Wasser gebracht werden. Aber auch das kann sich, je nach Entwicklung des Wasserstandes noch ändern.

Bakterien?

Und zum Schluss bleibt noch die Frage, wie sich die Wasserqualität entwickeln wird. In der Vergangenheit haben sich bei solch niedrigen Wasserständen in Kombination mit Hitze und Sonneneinstrahlung oft Bakterien wie E-Coli im Wasser breit gemacht, deretwegen dann auch das Baden und Schwimmen an den offiziellen Badestellen verboten werden musste.

In früheren Jahren war das zumeist kein großes Problem, weil das immer erst zum Ende des Sommers vorkam. Dieses Jahr allerdings könnte es schon zu den Sommerferien so weit sein, dass, zumindest an den offiziellen Badestellen, niemand mehr in die Bever gehen darf…

Update Juli 2025

Nun, E-Coli war es bislang nicht, wohl aber Cyanobakterien, landläufig auch Blaualgen genannt, auch wenn es eben Bakterien und gar keine Algen sind. Ende Juni und mehrfach während des Julis mussten einzelne Badestellen gesperrt werden, weil der Befall dort zu stark war.

Meist wurden die Badeverbote, welche nicht nur die Bevertalsperre, sondern etwa auch die Brucher Talsperre betrafen, nach ein paar Tagen wieder aufgehoben. Aber mit Blick auf das nun wieder heißer werdende Wetter, können immer mal wieder neue Badeverbote verhängt werden.

Über die einzelnen Badeverbote zu berichten, kann ich mir zeitlich nicht leisten, denn sie entwickeln sich sehr dynamisch. Ein wenig Wind reicht, um ein gehäuftes Vorkommen zu „verblasen“. Ein aus einem Auftreten an einer Badestelle resultierendes Badeverbot ist meist nur von wenigen Tagen Dauer. Am Besten ist, sich vor einem Besuch der Talsperren auf der Webseite des Wupperverbandes oder des Kreis-Gesundheitsamtes zu informieren.

Doch Vorsicht: Proben werden nur an den offiziellen Badestellen gezogen und ausgewertet und Badeverbote nur für die offiziellen Badestellen verhängt. Abseits der offiziellen Badestellen gibt es entsprechend keine Informationen über einen möglichen Befall.

Hier gilt: Wenn man im Wasser nur wenige Zentimeter tief sehen kann, an der Wasseroberfläche Schlieren ähnlich eines Ölfilms zu sehen sind oder was Wasser deutlich hellgrün oder bläulich erscheint, draußen bleiben und auch keine Hunde ins Wasser lassen.

Einfach dann am Ufer mal hundert Meter weiter gehen und schauen wie es dort ist. Denn wie geschrieben, die Vorkommen sind räumlich eng begrenzt.

Update August 2025

Ja, in den letzten Wochen hat es mal ein wenig geregnet. An der Situation der Talsperren hinsichtlich Niedrigwasser hat das aber nichts geändert. Die umliegenden Wälder und Felder waren und sind derart trocken, dass sie einen fallenden Regen sofort wie ein Schwamm aufsaugen und nur minimals Wasser in die Bäche gelangt.

Von rund 100 Milimetern Niederschlag pro Quadratmeter, aufsummiert über die letzten Wochen, sind in den Talsperren effektiv nur 1 bis 2 Millimeter angekommen. Das ist derart wenig, dass können die Pegel nicht mal messen. Es bräuchte, um die Situation zu entspannen, mal wenigstens eine Woche lang durchgehenden Landregen. Nur ist der nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Temperaturen und Sonnenstunden pro Tag steigen aktuell wieder an.

Die Talsperren können das Wasser nicht einfach zurückhalten. Sie müssen permanent Wasser abgeben. Allein schon, damit in den Gewässern unterhalb das Leben erhalten bleibt. Während kleinere Talsperren wie die Lingese Talsperre „nur“ 50 Liter pro Sekunde an Wasser abgeben müssen, muss etwa die Wuppertalsperre ständig 2000 Liter pro Sekunde an die Wupper abgeben. Und das ist bereits ein behördlich genehmigter, reduzierter Wert. Normal liegt die Mindestabgabe gut 1500 Liter pro Sekunde höher.

Die Folge ist, dass an allen Talsperren der Wasserstand, wenn auch teils langsam, so doch stetig weiter sinkt. Für das Baden in den Talsperren bedeutet das:

  • Das neuerliche Auftreten von Blaualgen-Ansammlungen wird wieder wahrscheinlicher und damit auch neuerliche Badeverbote
  • An allen Talsperren, an denen gebadet werden darf, sollte man auf keinen Fall mehr ins Wasser springen, sondern nur vorsichtig hineingehen. Mit niedrigerem Wasserstand fallen die Ufer immer flacher ab. Und in dem Bereich, wo das Wasser jetzt noch verblieben ist, liegen teils große Felsen, Überreste überstauter Geäude und diverser Unrat am Grund.
  • Apropos Unrat am Grund: Wer ins Wasser geht, sollte das ausschließlich mit Badeschuhen tun. In dem Bereich, in den sich das Wasser jetzt zurückgezogen hat, liegt teils scharfkantiger, rostiger Schrott ab Boden und vielfach auch Glasscherben.
  • Speziell für die Wuppertalsperre, wo es sich immer noch einer gewissen Beliebtheit erfreut, von den beiden großen Brücken zu springen, was selbst bei voller Talsperre lebensgefährlich ist, sofern man nicht 100% weiß, was sich wo unter der Brücke befindet, gilt:

Beim aktuellen Wasserstand von einer der Brücken zu springen, kommt einem Suizid-Versuch gleich!

Quellen

  • Webseite Wupperverband
  • Webseite Oberbergischer Kreis
  • Lokales Wissen
  • Besuch vor Ort