Die Lingese Talsperre bei der Gemeine Marienheide ist die zweithöchstgelegene Talsperre des Wupperverbandes und Teil der sogenannten „oberen Wupper“. Neben der Brucher Talsperre ist sie die zweite Talsperre in Marienheide.

Wissenswertes

Die Lingese Talsperre staut primär den auch namensgebenden Bach, welcher in einem Feuchtgebiet bei Kierspe-Hohlen entspringt. Weitere Zuflüsse sind der Kattwinkeler Bach, der Brandbach und der Bennighauser Bach.

Geschichte

Gebaut wurde die Lingese Talsperre von 1898 bis 1899 mit einer Staumauer nach dem Prinzip des Aachener Wasserbau-Professors Otto Intze. Die Staumauer mit breiter Sohle, welche sich zur Krone hin verjüngt und Bogenförmig in das Tal schmiegt wurde binnen eines Jahres von Hand aus Bruchsteinen gemauert und auf der Wasserseite mit dem für Intze typischen und nach ihm benannten Keil, siehe Intze-Prinzip bei Talsperren, versehen, um sie am Grund vom Wasserdruck zu entlasten und ihr zusätzliche Stabilität zu geben. Zur Hochwasserentlastung wurde die Lingese Talsperre ähnlich der Eschbachtalsperre mit einem Hangüberfall und einer kaskadierten Hangschussrinne versehen, welche sich am Fuß der Staumauer mit dem Grundablass ein gemeinsames Tosbecken teilt.

Von 1995 bis 1998 ließ der Wupperverband die Staumauer umfassend sanieren. Sie erhielt einen Kontrollgang und wasserseitig eine vorgesetzte Betonwand mit einer Drainageschicht zur Feststellung von Undichtigkeiten. Der Intze-Keil wurde dabei mit einem aus Beton gefertigten Entnahmebauwerk ersetzt.
Ende 2008 erhielt die Talsperre schließlich noch eine Wasserkraftanlage im Grundablass, welche seitdem die Mindestabgabe der Talsperre von 50 Litern die Sekunde verstromt, aber auch größere Abgabemengen verarbeiten kann.

Technische Daten

Die Gewichtsstaumauer in Bogenbauform wurde auf einer Sohle von 17 Meter Breite gegründet und verjüng sich zur Krone hin auf 6 Meter, wovon 5 Meter begehbar sind. Die Krone der Staumauer befindet sich 25,5 Meter über der Gründungssohle und ist 183 Meter lang. Gebaut wurde sie von 1898 bis 1899, umfassend saniert von 1995 bis 1995.

Das Stauziel der Talsperre ist mit 340,55 Meter ü. NN das zweithöchste des Wupperverbands. Auf Stauziel angestaut beträgt die maximale Wassertiefe 20 Meter, die Wasseroberfläche umfasst dabei 38,8 Hektar und im Vollstau fasst die Talsperre 2,6 Mio. Kubikmeter Wasser. Über die zuleitenden Bäche erstreckt sich das Gesamt-Einzugsgebiet der Lingese Talsperre auf 9,1 Quadratkilometer.

Wie eine bruchsteinerne Treppe führt zwischen zwei Mauern die Hangschussrinne den Hang hinab

Die Mindestabgabe der Talsperre, welche die ökologische Stabilität des Unterlaufs der Lingese gewährleistet, liegt bei 50 Litern pro Sekunde, wobei der Unterlauf im Hochwasserfall, bei maximaler Abgabe und Überlauf bis 40 Kubikmeter pro Sekunde aufnehmen kann.
Der Unterlauf der Lingese mündet etwa 600 Meter unterhalb der Talsperre bei Schmitzwipper in die Wupper, welche hier im Oberlauf noch Wipper heißt.
Über eine Ende 2008 am Grundablass installierte Wasserkraftanlage mit einer Maximalleistung von 30 Kilowatt können maximal 145.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert werden, wobei allerdings die durchschnittliche Leistung der Turbine bei Mindestabgabe bei lediglich 4 Kilowatt liegt.

Geografische Lage

Die Lingese Talsperre liegt im Norden von Marienheide, etwa 2 Kilometer Luftlinie vom Ortszentrum entfernt und damit etwa im nördlichen Mittel des Oberbergischen Kreises. Die Talsperre erstreckt sich mit ihrer länglichen Form vom Zulauf bei Marienheide-Kattwinkel im Osten zur Staumauer oberhalb Marienheide-Schmitzwipper im Westen.

An der navigierbaren Anschrift der Staumauer der Lingese Talsperre findet sich ein kleiner Parkplatz. Von dort sind es bis zur Mauerkrone noch etwa 200 Meter Fußweg:
Zum Waldfrieden 20
51709 Marienheide
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Freizeit

Als Brauchwassertalsperre bietet die Lingese Talsperre zahlreiche Freizeitmöglichkeiten, einschließlich solcher direkt am, auf bzw. im Wasser, welche nachfolgend etwas genauer beschrieben sind.

Angeln

Das Angeln an der Lingese Talsperre mit den primären Zielfischarten Forelle, Karpfen, Aal, Hecht und Zander sowie Barsch ist leider nur eingeschränkt möglich. Die Fischereirechte für das Gewässer sind an den SFV Obere Volme e.V. vergeben, welcher Gastkarten nur an Mitglieder ausgibt, damit diese mit ihren Gästen hier angeln können.

Baden

Zum Baden stehen an der Lingese Talsperre drei offizielle Badestellen zur Verfügung, welche in der Badesaison vom 15. Mai bis 15. September des Jahres durch das Gesundheitsamt Oberbergischer Kreis überwacht und beprobt werden. Die Lingese Talsperre wird durch die DLRG Ortsgruppe Marienheide betreut, welche an der Talsperre einen Stützpunkt unterhält. Dieser ist allerdings nicht permanent besetzt.

Boote

Neben (Schlauch-) Paddelbooten und Kanus / Kajaks ist das Befahren der Lingese Talsperre auch mit Jollen und kleineren Kielbooten etwa der FAM-Klasse möglich. Zur Nutzung ist allerdings eine Bootsplakette erforderlich, welche in der Tapas Bar „Alhambra“ Marienheide an der östlich gelegenen Brucher Talsperre erhältlich ist.

Camping

Camping ist an der Lingese Talsperre sowohl mit dem Zelt als auch mit Wohnwagen/ Wohnmobil möglich. Hierfür stehen drei Campingplätze an der Talsperre zur Verfügung:

Campingplatz „Seeblick“ Marienheide: 
37 Stellplätze zwischen 80 und 180 Quadratmetern sowie Stellplätze für Dauercamper
Talsperrenstraße 2
51709 Marienheide

Campingplatz „Lambacher Höhe“ Marienheide: 
Zelt-, Mobilheim- und Dauerplätze
Lambach 14
51709 Marienheide

Campingplatz Marienheide
Linger Straße 53
51709 Marienheide

Die Luft- also Talseite der Lingese Staumauer von oben gesehen, erkennt man die horizontale und vertikale Wölbung

Hunde

Hunde sind an der Lingese Talsperre an sich kein Problem, solange sie auf den Rund- und Wanderwegen an der Leine geführt werden. Die Talsperre hat sich zu einem Refugium für seltene Vogelarten entwickelt und daher sollten Hunde hier nicht frei herumlaufen.

Auch ins Wasser dürfen Hunde gehen. Allerdings nicht im Bereich der offiziellen Badestellen und Bootsanleger. Hier sollten wenigstens 100 Meter Abstand gehalten werden. Hunde mit Jagdtrieb müssen allerdings auch im Wasser an der Leine sein. Hier bietet sich eine lange Schleppleine an, welche sich aber für das Führen an Land verbietet.

Und das, ganz gleich ob auf den Wegen, im Wald oder am Ufer, die Hinterlassenschaften der Hunde zu entfernen und im Restmüll-Abfalleimer zu entsorgen bzw. im Zweifel wieder mit nach Hause zu nehmen sind, dürfte sich ja eigentlich von ´selbst verstehen.

Modellfahrzeuge

Neben „großen“ Booten kann die Lingese Talsperre auch mit Modellbooten befahren werden. Allerdings dürfen diese nur über einen rein elektrischen Antrieb oder über Segel verfügen. Von den Badestellen, den Bereichen der Bootsanleger und der DLRG-Station ist allerdings ein Abstand von wenigstens 100 Metern zu halten. Gleiches gilt für die Staumauer.

Auf Modellfahrzeuge an Land, insbesondere schnelle Fahrzeuge, sollte allerdings verzichtet werden. Schließlich nisten entlang der Ufer und der Wege teils sehr seltene Vögel und auch andere Tierarten.

Aus letztem Grund verbieten sich hier auch Modellflugzeuge, gleich welcher Art. Die Region hat mehrere Modellflugplätze zu bieten, etwa in Hückeswagen oder Radevormwald. Der Marienheider Platz ist leider nicht mehr in Betrieb.

Drohnen

Ein Sonderfall sind Drohnen, welche sich ja zunehmend großer Beliebtheit erfreuen. Grundsätzlich gilt es für Drohnen erst mal die neue Drohnenverordnung (BMDV) des Bundesministeriums für Verkehr zu beachten; insbesondere was eine ggf. vorliegende Registrierungspflicht und die Versicherungspflicht angeht.
Darüber hinaus hat der Wupperverband als Eigentümer der „geografischen Gebiete“, welche seine Einrichtungen und Talsperren umfassen, eigene Regelungen (Wupperverband | Freizeit | Drohnen) aufgestellt.

Diese regeln an Brauchwassertalsperren wie der Lingese Talsperre insbesondere, dass von den Betriebseinrichtungen und Badestellen der Talsperre keine Fotos / Videos erstellt werden dürfen und ferner die individuellen Persönlichkeitsrechte der Besucher und Badegäste an der Talsperre zu beachten sind. Ferner findet sich dort der Hinweis, dass nicht alle Flächen an der Talsperre vom Wupperverband selbst bewirtschaftet werden und somit etwa für Überflüge über die DLRG-Station oder die Campingplätze, eine Genehmigung von deren Betreibern gesondert einzuholen ist.

Entsprechende Genehmigungen müssen schriftlich erteilt sein und zusammen mit anderen relevanten Unterlagen, wie der Registrierung und des Versicherungsnachweises stets mitgeführt werden. Ferner finden sich Informationen zum Drohnenflug auf der Digitale Plattform für unbemannte Luftfahrt.

Radfahren

Rund um Marienheide und damit auch an der Lingese Talsperre verlaufen mehrere, teils überregionale Radtouren auf teils gut ausgebauten Radwegen entlang ehemaliger Bahntrassen.

Die bekannteste Radroute im Kontext der Lingese und weiterer, nahegelegener Talsperren ist Tour Radroute „Wasserquintett“ – Das Bergische. Beginnen und endend am Bahnhof von Marienheide verläuft die Tour entlang der Brucher- und Lingese Talsperre über alte Bahntrassen Nach Wipperfürth und Hückeswagen und von dort entlang der Wuppertalsperre bis nach Radevormwald. Der Rückweg führt über Schwenke, Anschlag und Kreuzberg, vorbei an der Kerspetalsperre zurück nach Marienheide.

Bei Wipperfürth und Hückeswagen bietet sich die Möglichkeit, die Tour entlang der Neyetalsperre, der Schevelinger Talsperre oder der Bevertalsperre abzukürzen. Zwischen Mai und Oktober bietet sich zudem an Samstagen, Sonn- und Feiertagen mit dem Bergischen Fahrradbus und seinen 20 Fahrradplätzen, die Möglichkeit ab Marienheide, Wipperfürth oder Hückeswagen einen Teil der Route abzukürzen.

Die Tour „Wasserquintett“ ist von mittlerer Schwierigkeit, rund 74 Kilometer lang und überwindet rund 720 Höhenmeter, wobei der tiefste Punkt bei rund 250 und der höchste Punkt bei rund 460 Metern über NN liegen.

Surfen

Surfen, sowohl klassisch als auch Kite, ist an der Lingese Talsperre verboten.

Tauchen

Tauchen ist an der Lingese Talsperre, wie auch an der Brucher- und der Neyetalsperre nicht erlaubt.

Wandern

Im Bereich der Lingese Talsperre verlaufen mehrere Wanderwege. Überregional verläuft die 4. Etappe des Wasserquintett-Wanderwegs, von der Bevertalsperre kommend, vorbei an der Neye- und Kerspetalsperre, entlang der Lingese Talsperre zur Brucher Talsperre. Ein Wanderweg mittlerer Schwierigkeit von rund 29 Kilometern Länge.

Ferner gibt es den Weg Rund um die Lingese Talsperre, welcher allerdings keine reine Talsperrenrunde ist, sondern von der Staumauer aus noch weiter ins Umland ausschweift. Dieser Weg mittlerer Schwierigkeit ist 9 Kilometer lang.

Die Talsperrentour Marienheide verbindet die Lingese Talsperre mit der Brucher Talsperre und dem Ortskern von Marienheide auf einem mittelschweren Weg von rund 9 Kilometern Länge.

Weitere Wanderwege der Region sind bei Ich geh wandern – Lingese Talsperre beschrieben.

Anreise

Durch den Anschluss von Marienheide an das Regionalbahnnetz der Bahn ist die Lingese Talsperre sehr gut per Bahn erreichbar. Mit dem Auto / Motorrad bietet sich, überregional, eine Anfahrt über die nahegelegenen Autobahnen A4 oder A45 an.

Durch diesen Kanal läuft das Wasser im Betrieb ab. Von links mündet die Hangschussrinne des Überlaufes ein

Umgebung

In der Umgebung der Lingese Talsperre ist insbesondere das Zentrum Gemeinde Marienheide zu nennen, welches neben verschiedenen Möglichkeiten des Einkaufs und der Einkehr, vor allem den Heilteich mit dem kleinen Kurpark zu bieten hat.

Marienheide ist der Quellort der Wipper, wie die Wupper in ihrem Oberlauf heißt. Allerdings ist der genaue Quellort nicht ganz klar und es gibt zwei „Kandidaten“ dafür, die Wipperquelle zu sein. Die erste dieser Quellen liegt auf dem Grundstück der Gaststätte Zur Wupperquelle, die zweite etwas nördlich nahe dem Flugplatz Meinerzhagen in einem kleinen Wald. Obwohl dieser Wald in vielen Karten als „Quellgebiet der Wupper“ bezeichnet ist, heißt der dort entspringende Bach bis zur Mündung in den von der Gaststätte „Zur Wupperquelle“ kommenden Bach „Flugplatzsiefen“ und damit weder Wipper noch Wupper. Dennoch ist auch diese Quelle einen Besuch wert.

Ferner lohnt sich von der Lingese Talsperre aus, ein Abstecher zum Unnenbergturm, einem Aussichtsturm mit schöner Fernsicht und einem angegliederten Kiosk.

Museen

Hier ist insbesondere das Bergische Drehorgelmuseum Marienheide zu nennen. Dieses hat allerdings keine regulären Öffnungszeiten, sondern öffnet auf Voranmeldung für Gruppen, aber durchaus auch für Einzelbesucher. Ferner öffnet es an bestimmten Tagen im Jahr zu Führungen und kann dann auch ohne einen individuellen Termin besucht werden. Informationen zu den nächsten Terminen finden sich auf der Webseite des Bergischen Drehorgelmuseums.

Direkt an der zum Lingese Talsperre führenden Linger Straße findet sich das Lambach Pumpenmuseum. Hervorgegangen aus der ehemaligen Firma Lambach Pumpen, berichtet es über die einst in Marienheide hergestellten Großpumpen und bietet von Mai bis Oktober jeweils am 1. Wochenende des Monats in seinem Pumpenhaus Einblicke in die Funktionsweise der Lambach Pumpen, welche in einigen umliegenden Orten heute, teilweise nach bereits 80 Jahren Dauerbetrieb immer noch etwa Dorfbrunnen mit Wasser versorgen.

Gegründet von Dominikaner Mönchen im Jahr 1420 und in den Folgejahren mehrfach durch Brand zerstört, doch immer wieder aufgebaut, existiert die Kloster- und Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung Marienheide mit ihrer Wallfahrts- und Klosterkirche nun seit 1717 in ihrer heutigen Form und wird jedes Jahr von mehreren tausend Pilgern besucht.

Restaurants

Knappe 200 Meter Fußweg von der Staumauer der Lingese Talsperre entfernt liegt die Kaffeerösterei Pagnia, welche den Besuchern neben natürlich Kaffeespezialitäten mit sehr leckeren, selbstgemachten Torten verwöhnt.

Etwas nördlich von Marienheide gelegen, bei Kierspe-Rönsahl ist Rothardt’s Restaurant eine echte Empfehlung. Bodenständige, deutsche Küche mit internationalen Einflüssen. Mein persönlicher Favorit dort sind die Südtiroler Schlutzkrapfen.

 

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