Moin. Der Junior eines Kumpels hat gerade seinen Autoführerschein gemacht. Sage und schreibe 3342 Euro hat er dafür auf den Tisch legen müssen. Geht’s noch? Gut, es ist schon ein ganzes Weilchen her, dass ich meinen Autoführerschein gemacht habe. In Zahlen 36 Jahre. Bezahlen musste ich damals für die komplette Ausbildung nebst Prüfung 852 DM. DM, wohl gemerkt. Das sind umgerechnet ~436 Euro. Ein 7,6tel, seien wir großzügig, ein Siebtel dessen, was der Lappen heute kostet.
Da gab's noch was für's Geld
Und für das Geld habe ich nicht nur richtig fahren gelernt, sondern auch die ganzen Regeln so vermittelt bekommen, dass ich damit all die Jahre sicher über die Straßen gekommen bin. Wenn ich dagegen sehe, was die Fahrschulen heutzutage mit dem Führerschein in der Hand so auskotzen, fürchterlich. Kumpels Junior eingeschlossen. Der Blinker wird so gut wie nie benutzt. Stoppschilder sind für viele, wie auch für ihn, im Gegensatz zu Ampeln nur ein Verhaltensvorschlag. Kreuzungen oder Einmündungen bei Rückstau freihalten? "Das hat mir keiner beigebracht" heißt es dazu.
Der erste Gedanke dazu ist, da ist er wohl an einen faulen Fahrlehrer geraten. Aber warte mal. Geprüft wird immer noch vom TÜV, nicht von der Fahrschule. Aber anscheinend gibt sich der TÜV inzwischen auch mit nur rudimentär ausgebildeten Fahrschülern zufrieden. Vielleicht ist der Lappen ja deswegen heute so teuer. Einfach, damit der TÜV beim Prüfen nicht mehr so genau hinsieht.
Was lehren die heute?
Mein früherer Mitschüler, der bei der Prüfungsfahrt nach mir dran war, ist damals jedenfalls noch mit den Worten durchgefallen, dass am Stoppschild nicht alle vier Räder gestanden haben. Heute scheint das wohl egal zu sein. Entweder das, oder die Fahrlehrer sind heute nicht mehr in der Lage zu vermitteln, dass man sich auch nach der Prüfung noch an die Regeln halten muss.
Trotzdem, für das, was die Fahrschulen heute so auf die Straße loslassen, sind jenseits 3000 Euro an Kosten definitiv zu viel. Selbst die Hälfte wäre da noch zu teuer. Aber der Preis soll demnächst ja wohl günstiger werden, sagt die Politik. Einen Großteil der Einsparungen sollen der Entfall des Präsenzunterrichts und der Ersatz von praktischen Fahrstunden durch Simulatoren bringen. Aha. Also noch weniger reale Fahrausbildung.
Simulation?¿
Aber immerhin einen Vorteil hätte so ein Simulator ja. Man kann jedem alle Verkehrszeichen simulieren und ist nicht mehr davon abhängig, ob bestimmte in Reichweite der Fahrschule vorhanden sind. Immerhin gibt es auf dem Land ja durchaus Orte, die zwar eine Fahrschule haben, aber wo sich z.B. im ganzen Ort kein Zeichen 1002-x findet. Mancherorts gibt es nicht mal ein Stoppschild. Und noch seltener sind Andreaskreuze. Hier am Ort rosten wenigstens noch ein paar an den Übergängen der vor Jahrzehnten stillgelegten Bahnstrecke vor sich hin. Aber mancher Ort hatte ja selbst früher keinen Bahnanschluss. Da findet sich schlicht keine Möglichkeit, einem Fahrschüler das korrekte Verhalten an diesem Zeichen beizubringen - außer eben in dröger Theorie.
Smartphone-Entzug
Doch vielleicht ist es ja auch besser, wenn sich die heutige Jugend keinen Führerschein mehr leisten kann. Kumpels Junior durfte uns mit Kumpels Auto zum Bahnhof fahren und schaffte es auf dem Weg an keiner einzigen, roten Ampel nicht zum Phone zu greifen und zu schauen, ob er irgendeinen Post verpasst hat. Und ich denke, er hat sich nur unserer Mitfahrt wegen zurückgehalten und auf rote Ampeln beschränkt…
Im Prinzip habe ich kein Problem damit, wenn sich das ganze junge Gemüse, des Handys in der Hand wegen, mit dem Auto um einen Baum wickelt. Aber irgendwie haben die bei solchen Unfällen ja Talent dafür nur unbeteiligte Dritte schwer zu verletzen, während sie selbst unverletzt aussteigen. Da ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass der Führerschein für sie langsam unbezahlbar teuer wird.