Dorfleben
Rund 22.000 Einwohner hat dieses Dorf hier. Ja, Dorf. Stadt kann man das hier guten Gewissens kaum nennen. Viele dieser Einwohner sind alt. Aber die Alten sieht man hier kaum. Wenn nicht gerade strahlender Sonnenschein den Marktplatz als Treff anbietet, sind die einzigen wirklichen Treffs für ältere Menschen die Wartezimmer der Ärzte und die Tische in der örtlichen Bäckerei, an denen man sich guten Gewissens zwei Stunden an einer billigen Tasse Kaffee festhalten kann.
Wenn zwei das Gleiche tun ...
Bänke zum Sitzen finden sich vor allem am Rande des Marktplatzes, des Stadtparks und dem Platz vor dem „Einkaufszentrum“. Auf den Wegen dazwischen, entlang der Straße finden sich keine – nicht mal in Straßen, in denen sich Seniorenheime befinden. Es heißt zur Begründung gern, die würden den Bürgersteig einengen. Wenn allerdings die von Migranten betriebenen Obstläden ihre Auslagen auf den Bürgersteig stellen und deren Lieferanten mit ihren Lkw teils stundenlang Parkplätze und Bürgersteige blockieren, dann ist das natürlich was völlig anderes.
Doch wehe der ältere Herr, der nur Dank seines Autos überhaupt noch mobil ist, will mal für drei Minuten vor dem Dorfmetzger parken, um sich sein Mittagessen abzuholen. Dann ist Holland in Not, Rettungsweg und so und dann kommen, auch wenn man sie den ganzen Tag nie gesehen hat, direkt die Mitarbeiter des Ordnungsamtes angesprungen und zücken ihren Knöllchen-Block.
Aber auch da, wo es Bänke gibt, sind die nicht für ältere Menschen gemacht. Keine Rückenlehne zum bequemen Sitzen, keine Armlehnen zum einfachen Aufstehen, einfach nur ein Stück Metall mit einer waagerechten Holzplatte drauf.
Neubaugebiete für junge Menschen erschließen, das kann die Stadt. Aber insgeheim hofft sie vermutlich darauf, dass diese da wieder ausgezogen sind, bevor sie alt werden.
Barrierefrei?
Wenn mal eine Ampel modernisiert wird, kriegt sie am Boden ein Leitsystem für Blinde. Was das bringen soll, ist die große Frage, denn die Wege, die zur Ampel führen, bekommen das keineswegs nachgerüstet. Der Busbahnhof als zentrales „Eingangstor“ glänzt mit hohen Bordsteinen und Haltestellenhäuschen aus den 1980ern. Unpraktisch, hässlich, altbacken. Aber billig im Unterhalt, wie es scheint.
Und wenn denn mal irgendwo neue Wege entstehen, ist denen eines gemein: Treppen bevorzugt. Stufen scheinen echt deutlich billiger zu sein. Wobei Geld andererseits keine so wirkliche Rolle zu spielen scheint. Anders jedenfalls kann ich mir nicht erklären, dass man es einfach so hinnimmt, dass sich eine Pflasterungsfirma inzwischen geschlagene 6 Monate an der Pflasterung einer 86 Meter langen, knapp sechs Meter breiten Straße aufhält. Dass das so lange dauert, liegt indes nicht daran, dass die Straße irgendwie kompliziert wäre. Vielmehr liegt es daran, dass die Arbeiter, wann immer sie sich unbeobachtet fühlen, lieber mit ihren Smartphone rumdaddeln, statt zu arbeiten – scheint, die werden nach Stunden bezahlt.
Wenn sie sich dabei dann mal ertappt fühlen, tun sie eingespielt ganz schnell so, als würden sie irgendwas von ihrem Arbeitsbereich fotografieren und mit dem Chef darüberschreiben. Zumindest die Verantwortlichen der Stadt fallen da bereitwillig drauf rein, wie es scheint.
Ich bin an der Stelle mal gespannt, ob die katholische Kirche, die an dieser Straße liegt, die Gelegenheit beim Schopfe packt und ihren Eingang mal barrierefrei gestaltet. Denn bislang führen die beiden Wege in die Kirche ausschließlich über Treppenstufen. Man sperrt damit auch hier die alten Menschen aus. Genau die alten Menschen, die eigentlich das einzige Publikum sind, was sich regelmäßig das Geseiere dieser vielerorts sexuell gestörten Popen überhaupt anzutun bereit sind. Und dann wundern sie sich, dass selbst der harte Kern ihrer Mitglieder immer öfter den Gottesdiensten fernbleibt. Tja, Freunde, wenn man nicht reinkommt, dann kommt man eben nicht rein.
Ein Trost
Ein Trost bleibt aber bei der ganzen Sache. Auch die ganzen jungen Menschen, die sich heute einen Scheiß für die alten Menschen um sich herum interessieren, werden früher oder später mal alt werden. Hoffentlich werden auch sie dann von der nächsten, jungen Generation genauso beschissen behandelt.